Medizinische-Versorgung_Speiseroehre-Magen_Adipositas

Operationsverfahren


Vor Operation erhalten alle Patienten einen OP-Vorbereitunsgkurs sowie eine gezielte min. 2-stündige Patientenschulung. Außerdem bieten wir Ihnen die lebenslange Nachsorge in unserer Adipositas-Ambulanz an.

 

Schlauchmagen

Schlauchmagen

Die Schlauchmagenoperation ist ein restriktives Verfahren, d. h. über eine Verkleinerung des Magens wird die Menge der Nahrung, die maximal aufgenommen werden kann, deutlich reduziert. Das Volumen des verbleibenden Schlauchmagens kann variieren und hängt auch von den individuellen anatomischen Gegebenheiten ab. In etwa hat der Schlauchmagen ein Volumen von ca. 100-150ml. Viele Patienten verlieren bereits im ersten Jahr nach OP bis zu 50% ihres Übergewichtes, da das Sättigungsgefühl früher eintritt. Zusätzlich werden durch die teilweise Entfernung des Magens Hormon-produzierende Zellen entfernt, so dass die Operation zu einer deutlichen Reduktion des Ghrelins („Hungerhormon“) führt. Die Schlauchmagenoperation ist in Deutschland aktuell neben dem Roux-Y-Magenbypass die Standardoperation in der Adipositaschirurgie. Sie ist besonders geeignet für Patienten mit einem sehr hohen BMI. Wenn die Gewichtsabnahme durch die alleinige Schlauchmagenoperation nicht ausreichend ist oder ein Reflux von saurem Magensaft in die Speiseröhre auftritt, kann ein Schlauchmagen umgewandelt werden, meist in einen Magenbypass. Dies ist auch das Vorgehen bei den so genannten mehrstufigen Behandlungskonzepten.

 
Roux-Y-Magenbypass

Roux-Y-Magenbypass

Neben der Schlauchmagenoperation ist der Roux-Y-Magenbypass eine der Standardoperationen in der Adipositaschirurgie und eines der weltweit am häufigsten angewendeten Verfahren. Die Gewichtsabnahme wird wie beim Schlauchmagen hauptsächlich durch eine Nahrungsrestriktion, also durch eine Verminderung der Nahrungsmenge, aber auch durch eine Malabsorption (Verminderung der Nährstoffaufnahme) erzielt. Ebenso spielen hormonale Veränderungen (GLP-1 Hormon, Ghrelin) eine Rolle. Aus dem oberen Magenanteil wird ein kleines Reservoir von ca. 30ml geformt, der sogenannte Pouch. Vom Pouch wird die Nahrung direkt in eine Dünndarmschlinge geleitet, die im Bauch nach oben gelegt wird. Der restliche Magen verbleibt im Körper. Die Magen-, Galle- und Bauchspeicheldrüsensekrete werden über eine weitere Darmverbindung weiter unten wieder der Nahrung zugeführt. Ein Gewichtsverlust von 60-70% des Übergewichts in den ersten zwei Jahren nach OP ist keine Seltenheit. Das Verfahren beeinflusst den Zuckerstoffwechsel günstig und ist daher im Besonderen für Diabetiker geeignet. Ebenso wird eine gastroösophageale Refluxerkrankung bei diesem Verfahren günstig beeinflusst. Nach der Operation sind ein lebenslang angepasstes Essverhalten sowie eine zusätzliche Einnahme von Vitaminen und Mineralstoffen notwendig.

 

Omega-loop-Magenbypass („Mini-Bypass“)

Omega-loop-Magenbypass („Mini-Bypass“)
International wird das Verfahren auch Mini-Gastric-Bypass (MGB) oder One-Anastomosis-Gastric-Bypass (OAGB) bezeichnet. Anders als beim Roux-Y-Bypass ist der Pouch etwas größer (ca. 50-60ml) und länger. Er kann daher manchmal bei Patienten angelegt werden, bei denen ein Roux-Y-Bypass wegen anatomischer Gegebenheiten schwierig ist. Es wird nur eine Anastomose (Verbindung zwischen Magen und Darm) hergestellt, was die Operationszeit und das Risiko reduziert. Die Reduktion des Übergewichts und der Adipositas-assoziierten Komorbiditäten wie Diabetes ist teilweise sogar effektiver als beim Roux-Y-Magenbypass. Allerdings kann ein Gallereflux in den Magenpouch und sogar in die Speiseröhrte entstehen. Ob hierdurch das Risiko eine Magenkrebs im Magenpouch erhöht wird, ist aktuell noch nicht geklärt. Ein Omega-loop-Magenbypass kann ggf. in einen Roux-Y-Bypass umgewandelt werden.

 

 Andere OP-Verfahren

In Einzelfällen führen wir auch andere spezielle Verfahren der Adipositaschirurgie durch.

 

Die biliopankreatische Diversion ist ein Verfahren ähnlich dem Roux-Y-Magenbypass, bei der allerdings die Verdauungssekrete erst sehr tief im Dünndarm wieder zugeführt werden. Es resultiert eine deutlich verkürzte Resorptionsstrecke im Dünndarm mit deutlich reduzierter Fett- und Nährstoffaufnahme. Neben eine Mangelernährung können starke Durchfälle und Fettstühle auftreten. Dieses Verfahren ist daher nur in besonderen Fällen und bei massivem Übergewicht indiziert.

 

Die SADI-S Operation (Single anastomosis duodeno-Ileal bypass – with sleeve-gastrectomy) ist eine vereinfachte Variante der biliopankreatischen Diversion mit Duodenal Switch. Nach der Bildung eines Schlauchmagens wird dieser hinter dem Magenpförtner im Zwölffingerdarm durchtrennt und ähnlich wie beim Omega-loop-Magenbypass mit einer Anastomose mit dem Dünndarm wieder verbunden. Die Resorptionsstrecke des Dünndarms wird sehr stark verkürzt und die Aufnahme von Fetten und anderen Nährstoffen stark vermindert. Allerdings wird durch den Erhalt des Magenpförtners das Risiko eines Dumping-Syndroms vermieden.

 

Der SASI (Single anastomosis sleeve-Ileal bypass) ist ein relatives neues Operationsverfahren, bei dem eine Schlauchmagenoperation mit einem Omega-Loop-Bypass kombiniert wird, ohne dass die Nahrungspassage durch den Zwölffingerdarm unterbunden wird. Diese Operation ist vor allem eine Option bei Patienten mit Schlauchmagen und unzureichender Besserung eines Diabetes mellitus.

 
Umwandlungsoperation und Revisionseingriffe

Bei einer Umwandlungsoperation erfolgt ein Verfahrenswechsel („Switch“). Gründe sind meist ein unzureichender Gewichtsverlust (= effektiver Gewichtsverlust von weniger als 30% des Übergewichts), eine erneute Gewichtszunahme bei veränderter Ernährung oder Stoffwechsellage, Komplikationen (z.B. Reflux) oder eine mangelnde Reduktion von Adipositas-assoziierten Erkrankungen (z.B. Diabetes mellitus). Häufig erfolgte die Ergänzung eines primär restriktiven Verfahrens um eine malabsorptive Komponente. Zum Beispiel kann ein Schlaumagen in einen Magenbypass umgewandelt werden. Bei Magenbypassoperationen kann die resorptive Strecke verkürzt werden. Welches Verfahren am sinnvollsten geeignet ist, muss individuell entschieden werden.

 

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