Medizinische-Versorgung_Leber-Galle

Leber und Galle

Wir behandeln in unserer Klinik Patienten mit Erkrankungen der Leber, der Gallenwege sowie der Gallenblase. Hierzu gehören sowohl gut- als auch bösartige Veränderungen, deren Therapie wir in einem fächerübergreifenden Team und individuell auf den Patienten abgestimmt festlegen. Welche Krankheitsbilder es gibt und wie wir sie behandeln, lesen Sie in den folgenden Abschnitten.

Galleinsteine

Gallensteinleiden gehören zu den häufigsten gutartigen Erkrankungen der Gallenwege. Sie entstehen durch ein Ungleichgewicht gelöster Stoffe in der Gallenflüssigkeit. Es treten zum einen Gallenblasensteine auf – auch symptomatische Cholezystolithiasis genannt – die meist durch krampfartige Oberbauchschmerzen auffallen. Zum anderen kommen Entzündungen der Gallenblase (Cholezystitis) vor, die entstehen, wenn der Abfluss – z. B. durch einen Stein – verhindert wird. Beide Krankheitsbilder lassen mit minimal-invasiven Operationsmethoden (Schlüssellochchirurgie) gut therapieren.

Bösartige Erkrankungen der Gallenblase oder der Gallenwege treten seltener auf. Häufig fallen sie erst durch einen Verschluss des Gallengangs mit Gelbfärbung der Haut (Ikterus) auf. Sofern eine operative Entfernung (Resektion) möglich ist, wird der Tumor vollständig entfernt. In manchen Fällen müssen hierbei Leber oder Bauchspeicheldrüse teilweise entfernt werden.

Gutartige Tumoren

Zu den häufigsten gutartigen Tumoren der Leber zählen Zysten und Blutschwämme, die sogenannten Hämangiome. Sie verursachen meistens keine Beschwerden und müssen nicht therapiert werden. Selten finden sich große oder schnell wachsende Hämangiome, die – ebenso wie große Zysten – aufgrund ihrer Größe Beschwerden verursachen. In Abhängigkeit der Lage können sie sogar platzen, dann müssen eine operative Entfernung bzw. bei Zysten eine Entdeckelung erwogen werden.

Es gibt zwei weitere Neubildungen, die zum Teil schwer zu unterscheiden sind: Zum einen die so genannten fokal nodulären Hyperplasien (FNH). Sie treten gehäuft bei Frauen im Zusammenhang mit der Einnahme von Kontrazeptiva auf und werden überwiegend konservativ behandelt. Zum anderen Leberadenome, die in Abhängigkeit von der Größe oder bei Größenwachstum bzw. komplizierenden Faktoren wie z. B. Einblutungen operativ entfernt werden sollten, da ein gesteigertes Risiko zur bösartigen Entartung besteht. Ebenfalls auftreten können Leberabszesse oder parasitären Erkrankungen. Hier ist ein interdisziplinäres Behandlungskonzept besonders wichtig.

Bösartige Tumoren

Zu den bösartigen lebereigenen Tumoren zählen vor allem das hepatozelluläre Karzinom (HCC) und das cholangiozelluläre Karzinom (CCC). Das HCC, der häufigste primäre Lebertumor, geht von den Leberzellen (Hepatozyten) aus und entsteht meist auf dem Boden einer Leberzirrhose. Das CCC hingegen entwickelt sich aus den in der Leber liegenden Gallengängen. Einen Risikofaktor stellt die primär sklerosierende Cholangitis, eine chronische Entzündung der Gallenwege, dar. Meist bleibt die Ursache jedoch unklar.

Wesentlich häufiger als die primären sind sekundäre Tumoren der Leber. Hierbei handelt es sich um Metastasen, also Absiedlungen eines an anderer Stelle gelegenen bösartigen Tumors wie z. B. Dickdarm-, Magen-, Bauchspeicheldrüsen- oder Brustkrebs in der Leber.

Die operative Therapie der Lebertumoren hängt von vielen Faktoren ab – z. B. von der Lage des Tumors in der Leber, der Beschaffenheit der Leber (Fibrose/Zirrhose) bzw. Vorschäden (Fettleber) und dem Allgemeinzustand des Patienten. Wichtiger als die eigentliche Größe des Tumors ist insbesondere, wieviel Lebergewebe nach der Entfernung übrigbleibt. Bei den primären Tumoren ist es besonders wichtig, dass das bösartige Gewebe vollständig entfernt wird. Bei Lebermetastasen hingegen sind auch mehrzeitige Verfahren möglich.

Grundsätzlich ist unser Ziel, die Tumoren so zu entfernen, dass möglichst viel organspezifisches Gewebe übrigbleibt. Wenn Tumoren lediglich lokal ausgeschnitten werden, spricht man von atypischen Resektionen. Diesem Prinzip stehen die anatomischen Resektionen gegenüber, wobei ganze Segmente bzw. Segmentkombinationen entfernt werden.

Bei sehr ausgedehnten malignen Tumorerkrankungen oder mehrzeitigen Verfahren kann das gesunde Lebergewebe einer Seite durch den Verschluss eines Lebergefäßes – die sogenannte Pfortader, die das Blut aus dem Darm zur Leber transportiert – vergrößert werden. Hierdurch kann das Resektionsausmaß deutlich vergrößert werden. In ausgesuchten Fällen können wir bei Versagen dieser Strategie auf eine relativ neue Operationsmethode ausweichen: Beim sogenannten ALPPS (Associating Liver Partition and Portal Vein Ligation for Staged Hepatectomy) erfolgt die eigentliche Operation in zwei Schritten. Im ersten Schritt werden das Leberparenchym analog der geplanten Resektion durchtrennt und die Pfortader zur Gegenseite unterbrochen. Gallengang, Leberarterie und -vene bleiben jedoch intakt. Hierdurch wird meist ein noch größerer Wachstumsreiz ausgelöst. Wenn es dann nach 8 bis 14 Tagen, in seltenen Fällen auch nach mehreren Wochen, zu einer ausreichenden Vergrößerung gekommen ist, können wir im zweiten Schritt die Resektion komplett abschließen.

Wesentlicher Punkt vor jeder operativen Therapie bösartiger Lebertumoren ist die Vorstellung des jeweiligen Patientenfalles im zwei Mal wöchentlich stattfindenden interdisziplinären Tumorboard des Göttinger Comprehensive Cancer Centers. Hier werden neben der operativen Therapie auch lokale Verfahren wie z. B. die Mikrowellen- oder Radiofrequenzablation, die transarterielle (Chemo)embolisation (TA(C)E) oder die Selektive Interne Radiotherapie (SIRT) erwogen. Zusätzlich werden Patienten, insbesondere bei gutartigen Tumoren oder primären Lebertumoren, auch im wöchentlich stattfindenden interdisziplinären Leberboard diskutiert.

Ihre Ansprechparter

Univ.-Prof. Dr. Michael Ghadimi
Direktor
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Univ.-Prof. Dr. Jochen Gaedcke
Leitender Oberarzt
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Priv.-Doz. Dr. Thomas Lorf
Oberarzt
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Dr. Jens Sperling
Geschäftsführender Oberarzt
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Leber- und Transplantationssprechstunde:
Mittwoch 8:00 bis 13:00 Uhr und nach Vereinbarung
Hauptgebäude UBFT, Ebene 3,Fahrstuhl B2 (Leitstelle B2)
Terminvereinbarung unter 0551/39-8490